Geil | Hammer | Krass | Wahnsinn | Speed | Toll | Nochmal | Oh mein Gott | Och nö | Krank | Bescheuert | Fuck | Fuck Fuck Fuck … all das sind Wörter die mir im Nachgang zu Rad am Ring 2013 einfallen.
RaR war meine erstes Rennen, und vermutlich nicht mein letztes, bzw. werde ich nächstes Jahr, so Gott will, wieder teilnehmen.

Voller Elan

Voller Elan


Ursprünglich war ja geplant einfach nur mal die berümt berüchtigte Nordschleife fahren zu wollen und sich dieses Event mal anzuschauen, aber durch die Teilnahme am 75km Jedermanrennen war auch ein wenig ansporn dabei.

Kommen wir mal zu einem kleinen Bericht der 75km.

Startblock

Startblock

Im Startblock haben wir uns, wie von allen angeraten, einfach hinten eingereiht und sind dann los über die GranPrix-Strecke. Reizüberflutung Part1. Ich war ziemlich beschäftigt mit rechts und links gucken was so los ist, aber ich musste recht schnell damit aufhören um an meinem Spannmann dranzubleiben. Weil dieser, nicht wie ich es gemacht hätte, sich durch das Feld am durchschlängeln gewesen war. Von der GranPrix-Strecke habe ich in der ersten Runde also nicht wirklich viel mitbekommen.
Dann die Abbiegung auf die Nordschleife und ABFLUG!!! Hatzenbach, Flugplatz, Schwedenkreuz, Fuchsröhre, Adenauer Forst und wie die ganzen Abschnitte heissen, keine Ahnung. Es geht, bis auf ein paar „kleine“ Rampen, abwärts bis Breitscheid. Maximalgeschwindigket 89km/h und durch die Streckenbreite verliert man leicht das Gefühl für Geschwindgkeit und es kommt leichte Angst vor den Kurven auf. Aber es hat prima geklappt.
Breitscheit kommt dann der Hammer. Mit Highspeed in die leichte Linkskurve und man wird richtig ins Bike gedrückt durch die Senke um sich dann der Wand nach oben entgegen zu sehen. Gott sei Dank nur ein „kleiner Knipp„, ganz schnell aufs kleine Blatt wechseln und im Stehen hoch.
Ja und dann? Dann geht es nach Oben. Nicht endend wollend zieht es sich bis Bergwerk nur um dann nochmal anzuziehen bis hoch zum Karussell. Irgendwo dort hatte ich meinen Puls bei 186, ein klares Zeichen langsamer zu Kurbeln. Aber auch um einem herum herrscht relative „Stille„, jeder ist mit sich selber beschäftigt, und eigentlich hört man nur das Ächtzen von Mensch und Material.
Noch am lächeln

Noch am lächeln


Die „Karussellfahrt“ kann man kurz zum Atmen nutzen weil es folgt die Hohe Acht. Ein eigentlich kurzes, aber intensives Stück mit bis zu 17% Steigung. Man sieht das Ende und denkt „ach das geht schon…“ und bereut den Gedanken verdammt schnell wieder.
Meinen Partner habe ich schon hinter Breitscheid ziehen lassen, was besser so war. Auf der Strecke zusammen fahren zu wollen ist äusserst schwierig.
Nach der Hohen Acht ist das Schlimmste eigentlich überwunden und die Nordschleife zieht sich über unzählige Abfahrten und Steigungen langsam wieder auf das Niveau von Start und Ziel hoch. Ich bekomme die ganzen Abschnitte garnicht mehr zusammen, auch nicht während des Rennens. Da war immer nur der Gedanke „Gleich kommt die Döttinger Höhe und dann ist die Runde fast rum„. Auf jeden Fall macht auch der Teil nach der Hohen Acht verdammt viel Spass.

sportograf-42421905_lowresIn Runde 2 ist mir bewusst geworden warum mein Mitfahrer sich durch die Anderen geschlängelt hat. Auf der GranPrix-Strecke ist es ja windig und es geht auch nach oben :-D. Das war mir durch das Gewusel in der ersten Runde absolut nicht aufgefallen.
Die Abfahrt gestaltete sich diesmal als wesentlich angenehmer für mich weil a) ich mich sicher fühlte und b) seltener von hinten das herranschiessen von Carbonlaufrädern zu hören war. Bei der ersten Runde war das fast Dauerzustand, da 150km und alle 24h Teilnehmer nach uns gestartet wurden. Und der Carbonkrach oder das turbinenartige Bremsgeräusch war immer ein Zeichen für „jetzt bloss keine Schlenker machen, sonst wirst du umgeholzt„. Den Anstieg und die Hohe Acht habe ich auch in der Runde tapfer bezwungen ohne abzusteigen und auch gemerkt was mir zuschaffen macht. Der Druck auf den Ohren der einfach nur „weggegähnt“ werden wollte. Jedes mal soetwas wie eine Befreiung. Diesmal habe ich oben an der Labstation angehalten, vermutlich eigentlich nur aus purer Neugierde was das so ist. Kenne sowas ja nicht 🙂 Mal von allem was probiert und weiter.

Nicht mehr ganz so frisch

Nicht mehr ganz so frisch


Kurz nachdem ich Runde 3 begonnen hatte, noch im Start/Ziel-Bereich hörte ich dann den „Stadionsprecher“ die Ansage machen das jetzt der Schlusssprint des 75km Rennes käme. Tolle Wurst, die ersten sind schon durch und ich muss noch 25km durch die Hölle. Aber irgendwie kam mir beim befahren der GranPrix-Strecke noch der Gedanke evt. noch eine vierte Runde fahren zu wollen, dann hätte ich 100km. Den Gedanken habe ich aber verdammt schnell verworfen.
In dieser Runde hat mich die Hohe Acht auch bezungen. Diese blinkenden Würmchen in meinen Augen haben mir zugewunken ich solle mal besser vom Rad steigen, sonst würden sie mich runterwerfen. Eigentlich wollte ich genau das ja nicht. Aber nutzt ja nichts.

ExtremeNach 3 Stunden 10 Minuten und 1650hm habe ich mit einem Sufferscore von 207 (Extreme) die Ziellinie als 450ter überquert. Fertig und glücklich. Angestrebt war zwar unter 3 Stunden zu bleiben, aber ich konnte im Vorfeld leider fast 2 Wochen garnicht aufs Rad.

Ein paar Worte zur Nordschleife muss ich aber noch loswerden. Sie ist so schwierig zu beschreiben. Unendlichkeit paart sich dort mit „schwubs schon vorbei“. Manchmal will es einfach nicht aufhören und dann ist es doch schon wieder um. Einen richtigen Tritt zu finden geht irgendwie auch nicht, weil es geht ja nur rauf und runter. Grösstenteil wirklich nur steil ab oder auf, ein Zwischending ist selten der Fall. Ich denke nicht umsonst hat die Grüne Hölle ihren sagenumwogenen Ruf als geilste Rennstrecke der Welt. Und auf dem Rennrad ist das nicht anders.
Ich bin froh teilgenommen zu haben, auch wenn ich Vorfeld Schiss und Respekt hatte, und ich werde es nächstes Jahr wieder tun!

Weiterführende Links:
Höhenprofil Nordschleife mit Bezeichnungen
Ausführlicher Bericht einer Runde von Lars